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 Freitagsfrage   Februar 12.02.2021     Facebook  - gesponsert -  

 

unsere Frage war:

 

WAS GIBT ES BEI EINEM FERSENDEKUBITUS BESONDERS ZU BEACHTEN?

 

Hier die von mir erwarteten Antworten

 

  1. Besteht eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  1. Hat er kontinuierlichen Druck durch unsachgemäße Lagerung

 

Die Gewinner sind:

  1. Julia Stolze
  2. Svetlana Schneider
  3. Katja Hildesheim
  4. Thomas Otterbach
  5. Brigitte Müller

 

Druck oder eine pAVK sind die häufigsten Ursachen für ein Fersenulkus. Daher muss die Diagnostik stadien- und patientenorientiert, zielgerichtet und ausreichend genau sein. Am Beginn steht daher die Anamnese und die klinische Untersuchung durch den behandelnden Arzt. Differentialdiagnostische Symptome wie eine neurologische oder orthopädische Erkrankung sollen beschrieben werden.

 

Der Verdacht eine arterielle Durchblutungsstörung lässt sich auch durch Pflegepersonen ermitteln. Wenn der Patient z.B. in der Nacht sein Bein aus dem Bett hängen lassen muss oder sich auf die Bettkante setzt damit die Schmerzen vergehen, ist die ein wichtiger Hinweis auf eine pAVK. Endgültige Klarheit wird dann u.a. ein Gefäßstatus geben. (Knöchel-Arm-Index, Doppler-Sonografie oder MRT)

 

Stellt sich im Laufe der diagnostischen Maßnahmen eine arterielle Gefäßerkrankung heraus, muss vor dem Debridement der Hautnekrose eine Gefäßsanierung durchgeführt werden. Ohne Wiederherstellung der Durchblutung wird es sonst kaum Heilungschancen geben. Findet sich jedoch eine infizierte Nekrose, dann gehen die operative Sanierung und die lokale Wundbehandlung fast zeitgleich einher, denn bei infizierten Wundverhältnissen wird der Chirurg nur sehr zurückhaltend eine Operation durchführen.

 

Anders gestaltet sich die Lokaltherapie bei Dekubitalulzera, die durch Druck bei normalen Durchblutungsverhältnissen aufgetreten sind. Etwa, weil der Patient immobil ist und eine Lagerung nicht fachgerecht ausgeführt wird.

Hier wird möglichst zeitnah ein Debridement / Nekrektomie durchgeführt und eine phasengerechte Wundversorgung schließt sich an.

 

Wir können also festhalten:

Diagnose, Anamnese und Ursachenbehebung haben – eigentlich wie bei allen Wunden – den Vorrang. Danach kommt dann erst die Wundversorgung. In enger Absprache mit dem Arzt kann es jedoch manchmal erforderlich sein, schon vor der Ursachenbehebung mit der Lokaltherapie zu beginnen.

Ohne Diagnose kann es für den Wundbehandler also Probleme geben, wenn „schon mal“ mit der Wundversorgung begonnen wird.

 

Eine ganz persönliche Anmerkung:

Während meiner Klinikzeit in der ZNA war eine Wundtherapie undenkbar, denn schon am Aufnahmetag – meistens notfallmäßig – erfolgten sofortige Untersuchungen; ohne jede Verzögerung. Therapeutische Maßnahmen schlossen sich unmittelbar nach der Diagnosestellung an.

Leider habe ich dieses Vorgehen im niedergelassenen Alltag in einer Praxis in den letzten 6 Jahren nicht erlebt. Nahezu alle vorgestellten Patienten zur Wundversorgung hatten keine Diagnose. Von uns eingeleitete Untersuchungsmaßnahmen scheiterten an überlangen Wartezeiten. Da ist dann viel Engagement erforderlich, Untersuchungstermine schnell zu erhalten.

 

Hier ein paar Bilder zu Fersendekubiti

1 Sawade bd Fersen DU und Blasen 16.05.06 COLOPLAST

Blasenbildung an den Fersen zeigen einen kontinuierlichen Druck an

1 Dehmlow Ferse re nach Blase ab nNekrose 27.02.07

Die Drucknekrose ist oft erst nach der Entfernung der Blase zu erkennen

1 Monsees Ferse schwarze Nekrose 17.04.06 
Wochen alte trockene Nekrose bei pAVK

3 Wilkens Ferse Pus 09.11.06 

Weiche, fluktuierende, infizierte Nekrose bei pAVK

1 Dankers Ferse re vor Debridement 16.01.06 
Drucknekrose als Lagerungsschaden, Wundumgebung gerötet