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Liebe Kollegen*innen,

liebe Wundinteressierte,

etwas ausführlicher erhaltet ihr an dieser Stelle eine Antwort auf die Facebook-Freitagsfrage vom 09.04.21

WELCHE MASSNAHMEN STEHEN UNS ZUR THERAPIE VON HAUTNEKROSEN VORRANGIG IN DER AMBULANTEN VERSORGUNG ZUR VERFÜGUNG, WENN DIE DIAGNOSE BEKANNT IST UND DIE URSACHEN BEHANDELT WERDEN KÖNNEN?

Die von mir erwartete Antwort ist C = Autolytisches Debridement

Eine antiseptische Wundspülung allein kann keine Nekrosen entfernen. Die Biochirurgie ist eine großartige Behandlungsstrategie, NUR: auf Hautnekrosen finden die Maden/Larven keinen Ansatz und bezahlt werden sie im ambulanten Bereich nicht. Das chirurgische Debridement steht sicher nur ganz wenigen Spezialisten zur Verfügung, die auf alle Eventualitäten eingerichtet sind. Der hydroaktive Verband entfernt sicher keine Nekrosen, aber im Anschluss, nach dem Debridement, kommen sie dann zum Einsatz.

 

Die Gewinner sind:

  • Natascha Wahl-Luley
  • Ariane Steuer
  • Anne Krieger
  • Silvia Pieles
  • Nadine Wilke
  • Michi Ro
  • Bettina Hartl
  • Eileen Kamleiter
  • Robert Renner
  • Michael Schmidt

 

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Autolytisches Debridement bei einer Hautnekrose am Unterschenkel mit HydroClean® - Ein Fallbeispiel

 

KASUISTIK

 

Diagnose(n)

  • Postthrombotisches Syndrom re V. femoralis, Zustand nach TVT re OS vor 4 Jahren
  • Manifeste Hypothyreose
  • Zustand nach infiziertem B-Zell-Lymphom-Rezidiv links zervikal (ED 2015)
  • Zustand nach Chemotherapie 2016 mit Remission, Sjörgren-Syndrom
  • Ulcus cruris venosum linker Unterschenkel

 

Medikamente u.a.

  • Antikoagulantium
  • Thyroxin
  • Prednison
  • Immunsuppressiva

 

Anamnese

Rüstige, mobile, geistig rege und im eigenen Haushalt lebende 84-jährige Patientin, die durch ihre Kinder unterstützt wird.

Im Oktober 2020 zog sie sich durch ein Anpralltrauma am linken Unterschenkel eine kleine Verletzung zu.

Als diese nach 14 Tagen nicht abheilte, suchte sie ihren Hausarzt auf. Anfängliche trockene Verbände mit Fettgaze und Kompressen brachten keinen Erfolg. Ende Dezember 2020 wurde zu silberhaltigen Polyurethanschaumverbänden gewechselt. Auch diese brachten nicht den erwünschten Effekt. Wegen ihrer Beinvenenthrombose trug die Patientin konsequent Oberschenkel-Antithrombose-Strümpfe.

 

Ein B-Zell-Lymphom Rezidiv erfordert eine immunsuppressive- und Cortisontherapie.

 

Am 21.01.21 stellte sie sich auf Initiative der Tochter bei uns in der Wundsprechstunde vor. Da seit 4 Jahren kein Gefäßstatus mehr gemacht wurde und bläulich-livide Hautveränderungen am Unterschenkel bestanden, wurde sie umgehend einem Dermatologen und Phlebologen vorgestellt. Im Ergebnis stellten sich altersentsprechende Gefäßveränderungen heraus, die aber zu keiner Durchblutungsstörung führten. Die Hautveränderungen waren eine Folge der TVT und der langjährigen Einnahme von Cortison.

 

Wundversorgung

Bereits beginnend am 21.01.21 stellten wir die Wundtherapie mit den silberhaltigen PU-Schäumen ein. Es fand sich keine Infektion, die Exsudation war sehr gering. Das 35x17mm große UCV zeigte an der Oberfläche eine bräunlich-schwarze Nekrose. (Abb.1) Wegen der Antikoagulantientherapie verzichteten wir, um eine Blutung zu vermeiden, auf ein chirurgisches Debridement und entschlossen uns, eine autolytische Therapie mit HydroClean® Mini einzuleiten. (Abb.2)

Bereits beim 3. Verbandwechsel nach 8 Tagen sahen wir, nach mechanischer Wundreinigung mittels einer Kompresse, eine rosige, granulierende Wunde. (Abb.3) Trotz mittlerweile 4-tägiger Verbandwechselintervalle kam es zu keiner Mazeration am Wundrand und der Wundumgebung. Der Wundrand war etwas wulstig, die Wundtiefe 1-2mm. (Abb.4)

Obwohl die autolytische Therapie jetzt hätte enden können, nutzten wir weiterhin HydroClean®, weil es die Patientin als sehr angenehm empfand und sie im Gegensatz zu früher keine Schmerzen mehr verspürte.

In Ermangelung einer kleineren Größe applizierten wir nun HydroClean® 7,5 x 7,5cm. (Abb. 5) Durchschnittlich beließen wir den Verband, bei geringer Exsudation, 4-5 Tage.

Am 08.02.21, also nach 18 Behandlungstagen, überraschte uns das UCV mit einer 50%igen Verkleinerung. (Abb.6) Unter dem Verband war es zu einer stabilen Epithelisation über die halbe Wundfläche gekommen. Trotz einer Applikationszeit von 6 Tagen fanden wir erstaunlicherweise keine Mazeration. Etwas irritierend nur die „Streifen“ über der Wunde, die von der Innenseite des Verbandes stammen.

Über die jetzt deutlich verkleinerte Wunde platzierten wir nochmals für 2x6 Tage HydroClean®. Beim Verbandwechsel am 01.03. war das UCV dann komplett abgeheilt. (Abb.7) Zur Pflege der Narbe und Wundumgebung empfahlen wir eine ureahaltige Hautcreme.

Bei einer Kontrolluntersuchung am 08.03.21 sahen wir eine gepflegte Haut eine stabile Narbe. (Abb.8) Die Kompressionstherapie wurde weiter fortgeführt.

Resümee

Ein fast 120 Tage altes Ulcus cruris venosum, inadäquat therapiert, konnte mit wenigen Verbandwechsel und Applikation von HydroClean® binnen 38 Tagen zur Abheilung gebracht werden. Dies auch unter einer Immunsuppressiva,- Cortison- und Antikoagulantientherapie.

Wenn, wie in diesem Fall, auf ein chirurgisches Debridement zu Beginn der Wundtherapie aus Vorsichtgründen verzichtet werden musste, gelang nicht nur innerhalb kürzester Zeit eine Wundreinigung, sondern auch ein Abheilen der Wunde.

Dieser Fall zeigt im Besonderen, dass es wichtig ist, eine auf den Patienten und die Wunde angepasste Therapie zu finden. Dass wir unter HydroClean® eine komplette Epithelisation erreichen konnten hat uns überrascht.

Verfasser

Bernd von Hallern DGKP

Meta-Rebecka von Hallern DGKKS

c/o Praxis Dr. R.v.d. Daele

Vogelsang 28

21682 Stade

 

 

01 Miller li US tibial Wundgrund schwarz Blut Nekrose Schmerzen 21.01.21

(Abb.1) 

02 Miller li US tibila Verband HydroClean Folie 21.01.21

(Abb.2)

 03 Miller li US Verband HydroClean Mini bei ab Wundgrund 29.01.21

(Abb.3)

04 Miller li US Wundgrund granuliert 29.01.21

(Abb.4)

05 Miller li US Verband HydroClean vor ab 08.02.21

(Abb. 5) 

06 Miller li US Wundrand epithelisiert 08.02.21

(Abb.6)

07 Miller li US tibial Wundgrund abgeheilt 01.03.21

(Abb.7)

08 Miller li US tibial Wundgrund epithelisiert abgeheilt 08.03.21

(Abb.8)


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